Dieses beeindruckende romanische Bauwerk aus dem Jahr 1050, das zum Kulturerbe der Wallonie gehört, liegt inmitten seines alten Friedhofs. Vor ihm steht eine Linde, die mehrere hundert Jahre alt ist.
Die Kirche ist die älteste romanische Kirche Belgiens und die einzige, deren Grundstein und der Beleg der Weihe von 20. Juni 1050 durch Théoduin, den damaligen Bischof von Lüttich, erhalten geblieben ist. Dieser Stein ist nicht nur ein historisches Dokument, sondern auch ein Kunstwerk. Die Kirche beherbergt ebenso den Gedenkstein mit dem ewigen Edikt, mit dem Wappen von Philippe II. sowie denjenigen von Luxemburg und der Stadt Marche.
Die Fenster von Jean-Michel Folon* erinnern an das Martyrium des Hl. Stefan, Namenspatron der Pfarrkirche.
Zudem gibt es ein Taufbecken aus dem 16. Jahrhundert, eine gotische Theothek aus dem 6. Jahrhundert, unzählige Werke des Meisters von Waha, vor allem das Kruzifix (16. Jahrhundert), ein Fragment einer Wandmalerei aus dem 13. und 14. Jahrhundert, eine Skulptur des 17. Jahrhunderts vom Martyriums des Hl. Stefans und Grabplatten des 15. und 18. Jahrhunderts.
* Jean-Michel FOLON
Jean-Michel Folon ist im Oktober 2005 verstorben. Er hinterließ viele Nachweise seiner Begabung. Sein letztes Werk ist in der Kirche Saint-Etienne von Waha zu bewundern: sechs große Kirchenfenster mit dem Martyrium des Hl. Stefan und zehn Fenster, die an blauen Himmel erinnern, in dem sich Vögel entfalten.
Jean-Michel Folon hat zudem für die Stadt Marche eine Skulptur „Loin" geschaffen, die in der Nähe der Place aux Foires bewundert werden kann. Somit trägt die Kommune von Marche mit zwei Kunstwerken dazu bei, das Gedenken an diesen großen Künstler aufrecht zu erhalten.
Die sechs Kirchenfenster von Jean-Michel Folon ...
Folon hat für sich etwas sehr Außergwöhnliches akzeptiert: die Gestaltung von Kirchenfenstern. Dafür hat er sich von der Geschichte des Namengebers der Kirche inspirieren lassen: der Hl. Stefan.
Er hat sich an der klassischen Darstellung des Heiligen orientiert und daraufhin sechs Aquarellskizzen angefertigt. Das ihm aus vorherigen Arbeiten bekannte Atelier Loire in Lèves (bei Chartres in Frankreich) war mit der technischen Umsetzung betraut. Was für eine Kunst!
Die Geschichte des Hl. Stefan ist nahezu unbekannt. Nur die Apostelgeschichte erzählt uns, daßer einer der ersten sieben Diakone war und kurz darauf der erste christliche Märtyrer wurde.
1. Der Hl. Stefan, gestillt von einer weißen Hirschkuh
„Er fand das Kind, von einer weißen Hirschkuh gestillt" (*). Der Legende nach wurde Stefan am Tag seiner Geburt vom Teufel entführt und vor der Tür des Bischofs Julien abgelegt. Dieser schaute nicht schlecht, vor seiner Tür ein Kind zu finden, das von einer weißen Hirschkuh gestillt wurde!
Man spricht natürlich von einer Legende, da einige historisch fragwürdig sind - es gab zu der Zeit keine Bischöfe. Aber wie bei allen Legenden soll nur das Außergewöhnliche der Person hervorgehoben werden.
2. Die Verdammung Stefans
„Südlich des Querschiffs von Notre-Dame von Paris: Die Juden mit ihren Kopfbedeckungen, hören irritiert zu, halten sich die Ohren zu und lassen ihn steinigen "(*). Der Text der Apostelgeschichte, Kapitel 7, Vers 54, sagt: „Seine Worte versetzten sie in Wut und sie knirschten mit den Zähnen [...] sie stießen laute Schreie aus während sie ihre Ohren mit ihren Händen zuhielten."
3. Stefan betet zum Himmel
„Der Heilige Stefan hat einen Engel an seiner Seite durch die Taube des Heiligen Geistes" *). Der Text der Apostelgeschichte sagt: „Aber er, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte fest himmelwärts und erblickte die Herrlichkeit des Herrn".
Das Giebelfeld der Kathedrale Notre-Dame de Paris (8. Jahrhundert) aus Chartres zeigt Stefan, wie er mit den jüdischen Doktoren diskutiert, hinter ihm der Engel und über ihm die Taube des Heiligen Geistes, die über seinem Kopf schwebt.
4. Die Steinigung Stefans
„Diesen Steinhagel empfindet der Märtyrer wie einen sanften Regen von Schneeflocken" (*). So beschreibt der Hl. Gregor von Nysse (4. Jh.) die Steinigung Stefans. Die Apostelgeschichte berichtet lediglich: „Sie schleiften ihn aus der Stadt und begannen, ihn zu steinigen".
Jean-Michel Folon sagte, dass dieses Zitat ihn am tiefsten berührt hat.
5. Den Kranz der Herrlichkeit
„Die göttliche Hand erschien am Himmel, um dem Märtyrer den Kranz zu überreichen". Im Griechischen bedeutet der Name Stefan „Kranz" (*). In der Antike war es ein Kranz, der den Siegern verliehen wurde. Stephan ist Sieger dieser ungerechten Prüfung derer, die ihn verdammen. Das Giebelfeld der Kathedrale Notre-Dame de Paris (8. Jahrhundert) stellt die Hand aus dem Himmel kommend dar, um dem Märtyrer den Märtyrerkranz zu verleihen.
6.Die drei Kelche
„Eine der Goldvasen enthielt rote, die beiden anderen weiße Rosen. Die Vase mit den roten Rosen steht für den Sarg des Hl. Stephan, der als einziger den Märtyrerkranz verdient" (*). Die Apostelgeschichte sagt, dass inmitten der ersten Christenverfolgung, gottesfürchtige Menschen Stefan begruben.
Die Legende sagt, dass man vierhundert Jahre später drei goldene und eine silberne Vase fand. In der einen Goldvase waren rote, in den zwei anderen weiße Rosen. Die Vase der roten Rosen symbolisiert den Sarg Stefans. Somit wird an den Hl. Stefan mit einer Vase roter Rosen gedacht.
(*) Sätze, die Jean-Michel Folon inspiriert haben und die er auf den Aquarellskizzen vermerkt hat.
Auszüge aus der Broschüure „Waha 1050 - Die Kirche Saint-Etienne, Juwel der Maasromanik" des Vereins „Freunde der Kirche von Waha e.V." (1,00 €).
(Quelle: Maison du Tourisme de Marche et Nassogne).
Auskünfte
Täglich zugänglich von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr.
Broschüre zum Verkauf im Maison du Tourisme (französisch oder niederländisch - 1,00 €).
Führungen für Gruppen auf Anfrage (französisch, niederländisch, englisch).